Im TV treiben diverse “Hundeflüsterer” ihr Unwesen, die sich in “Harte” und “Zarte” unterteilen.
Äußerlich bewegen sich die “Harten” zwischen Feldwebel und Förster, bzw. Angler (wegen der Anglerweste), bzw. Jäger, damit auch dem dümmsten Hund sofort klar wird, dass die Verordnung einer Reizstromtherapie nur von seiner Kooperationsbereitschaft abhängt.
In der Praxis steht dann eine schlecht zweckmäßig angezogene Mischung aus Rambo und Waldschrat vor einem.
Für die unglücklichen Hundeführer Kunden oder zufällig vorbeikommenden Passanten wird der Hundeflüsterer lange und ausschweifend über Wölfe faseln dozieren, hier oder da ein “Bloch/Trumler/Coren/Zimen sagt” einwerfen (gerne auch die jeweiligen Vornamen, denn man ist ja wer) und über Rudel und Rangordnungen schwadronieren. Wobei die eher militärischen Typen sich mit solchen Mätzchen gar nicht erst aufhalten, sondern sofort den Alphawurf praktizieren.
Die “Harten” sind hundeerziehungstechnisch old-school-boys (nie girls), die Hunde innerhalb von Minuten einnorden, egal, wie gravierend die Verhaltensauffälligkeiten auch seien mögen. Sie behandeln den Hund dabei wie Wölfe es auch innerhalb ihres Rudels tun (häh?). Nämlich, indem sie ihm kurz, aber hart unter die Schnauze hauen, ihn an den Backen* packen, daran hochheben und ihm direkt ins Gesicht starren oder ihm mit dem Fingernagel des Daumens ins Ohr kneifen. Natürlich werden diese Dinge, – so möglich – wie von jedem anderen Illusionisten auch, verdeckt ausgeführt.
Als vertrauensbildende Maßnahme und damit der Zögling nicht sofort die Flucht ergreift, wird sich vor dem Hund auf dem Boden herumgerollt. Das wirkt aktiv, wölfisch, bzw. hündisch und man sieht, dass sich der Hundeflüsterer zumindest hygienetechnisch auf Hundeniveau bewegt.
Philosophisch oder auch nur logisch betrachtet liegen hier allerdings mehrere, gravierende Denkfehler vor.
- Fehler numero uno, der Klassiker der Un-Hundeerziehung, wenn nicht der Klassiker überhaupt: Hunde sind genau so wenig Wölfe wie Menschen Neandertaler (bzw. Hundeflüsterer Hunde) sind. Wölfe sind eher ursprüngliche Tiere, die Menschen praktisch fast gar nicht “lesen” können, Hunde haben es über viele, viele Generationen gelernt, mit dem Menschen auszukommen und sowohl Körpersprache als auch Gesichtsausdrücke und Stimmlagen zu interpretieren. Im Umkehrschluß bedeutet das, dass man einen Hund völlig berührungslos erziehen können müsste oder es zumindest sollte.
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Fehler Nummer zwei, mindestens genau so
bescheuert falsch wie der erste, sogar zwei Fehler in einem: Hunde würden innerhalb des eigenen Rudels die gleichen Sanktionen verhängen, wie sie (die Hundeflüsterer) es tun.
- Hunde leben nicht in Rudeln, zumindest nicht die, die gewöhnlich korrigiert werden sollen.
- Wenn sie es tun würden, würden höherrangige Hunde kein Bellen, nicht-kommen, kein “an-der-Leine-ziehen”, keine Aggressionen gegen Menschen oder andere Artgenossen sanktionieren.
- Fehler drei: Sie sanktionieren ganz sicher nicht mit ihren Händen. Das liegt unter anderem daran, dass sie keine haben.
Warum diese Methoden überhaupt funktionieren, hat den folgenden Grund: Hunde haben Angst, oder besser Respekt vor Menschen. Menschen sind im Normalfall mindestens 3x so hoch wie ein Hund, ragen also ziemlich unheilvoll vor ihm auf. Wenn also dieser – aus Hundesicht gewaltige – Mensch einen packt oder schlägt oder ins Ohr kneift, dann bekommen die Hunde Angst, zeigen in 99% aller Fälle Meideverhalten und unterlassen deshalb das, was sie nicht tun sollen.
Das ist das ganze Geheimnis.
Sie unterlassen es nicht, weil der Mensch so gut die Wolfssprache oder ihre Sprache spricht.
Die “Zarten” machen es im Großen und Ganzen so, wie man es machen sollte, mit Geduld und Verständnis
*natürlich an den Wangen, aber das reimt sich nicht so schön